Impressionen auf Teneriffa II


Immer noch heulen die Windhunde,
An der Punta del Hidalgo.
Wie drei Jahre zuvor.*)
Kaum werden sie es je verlernen.

Bei steigender Flut
Tobt immer noch schäumend das Meer sich aus,
Dessen Urkraft zweimal am Tag leicht erlahmt
Anlauf nimmt,um frischen Schub zu zeugen
Im ewigen Wellengang der Gezeiten.

Sturmträchtige Passatwinde rütteln wach
Was sonst verträumt sich dem Besucher bietet.
Selten nur und Scheinwerfer gleich
Schieben gleissende Sonnenstrahlen
Sich durch die aufgerissenen Lücken,
Im grauen, zerfetzten Nebelhemd.
Lichtkegel huschen chaotisch übers Land
Als hiesse es Gefangene der Insel zu bewachen.

Am Strumpfband des weit oben thronenden Teide
Wölbt grenzenlos sich die blaue Schädeldecke,
Blendend den Blick hinab auf seidige Wolkenkissen,
Sperrend die Sicht zum tiefen Gestade.

Pausen-und gnadenlos feuert
Das Helium zehrende Kraftwerk
Hinein ins erstarrte,
Scheinbar nur lebloses Magma,
Um vereint,
Mit spärlichem Wolkenguss,
Dies urbar zu sprengen
Damit gedeiht,
Was wohl sich fühlt
Auf so unwirtlicher Bühne.
*
"Rossa, Rossa"
Artikuliert Christina Maria auf Spanisch
Die rassige,
Tiefschwarz behaarte Masseurin,
Während sie dir eine Wellnessmassage
Mit Aromatherapie verpasst.
Du hast wiederholt um die Herkunft des Duftstoffes gebeten.
Bis endlich dein Groschen fällt
Und du begreifst
Dass sie dich mit ihren noch jugendlich zarten Händen
Und duftendem Rosenöl balsamiert.

*
Wenn du an der Westküste der Insel,
Von der sonnen gebadeten Playa de Santiago,
Hinauf dich schraubst, bis in den Ort mit gleichem Namen,
Um unmittelbar jäh dich erneut in den Abgrund zu stürzen
Musst du über die berüchtigte,
Mehr als steil
Und halsbrecherisch
In die Tiefe jagende,
Nur talseitig bewehrte
Chinesische Mauer von Masca.
Das Endlose saugt dich hinab.
Während du flankiert bist
Von einer vulkanischen Eigerwand
Die Steinschlag drohend,
Steil in den bläuigt lächelnden Himmel strebt.

Wenn du gewagt hast
Respektlos, kaum zögernd und voller Tatendrang,
In die erste nahezu grifflosabfallende Kurve zu steuern
Verabschiedet sich jede Hoffnung aufs Zurück.

Auf dem Weg, sich windend in den Abgrund,
Wird dir schnell bewusst,
Dass beim geringsten Fehltritt auf die Pedalen
Du, wie beim ersten Flug Lilienthals vom Lichterberg,
Unbarmherzig abhebst
Um,zwar nach weitaus längerem Freiflug,
Viel zerbrechlicher zu landen.
Nicht einmal ein tollkühner Drachenflieger
Fände in diese Moos bewachsenen Felsenkluft
Den sicheren Stehplatz,zum Landen.

Wenn dir dann ein ebenso risikofreudiger Fahrer wie du entgegenkommt,
Um dich in erschreckender Tuchfühlung,
Aber respektvoll zu kreuzen,
Dann schiessen Unmengen Adrenalin
In deinen unbeirrbaren Dickkopf,
Der das verwegene Abenteuer nicht scheute
Unterwegs sich auch mit einem maßgeschneiderten Bus
Inmitten einer Paragrafen ähnlichen Kurvenfolge
Zu messen,
Derweil dir folgend
Genauso wie vor dir, andere Bekloppte,
Ärgernd sich ihrer misslichen Hanglage im Stau nicht erwehren können
*

Stramm korsettiert,
Im Leihwagen Fiat Diabolo,
Hoffen beide wir nun auf ein "Fiat voluntas mea“, denn
Millimeterarbeit wird nicht nur dem trächtigen Busfahrer abverlangt

Sondern auch peinlichste Genauigkeit von mir.
Während ich kalte Nerven zeige,
die Ohren einziehe,
Um mit meinem Untersatz,
Das sich hoffentlich ergebende Öhr,herbei zu sehnen
Merke ich erschrocken,
Dass dieser Stau nur von meinem erfolgreichen Manöver abhängt.
Nicht aber wie plötzliches Nass,
Irgendwo hervorquillt
Und eisig den Rücken mir hinunterläuft.
Ich ahne nicht wie hilflos neben mir die Partnerin,
Vielleicht todängstlich,aber erstaunlich tapfer
Und jeder Gelenkarthrose zum Trotz,
Sich am Türgriff,
Wie an einen Rettungsring festklammert,
Und dabei fast verpasst,manchmal zu verschnaufen.

Dann spüre ich, was ein erlösendes Aufatmen bedeutet,
Weil es der Busfahrer doch schafft,
Das Nadelöhr
Nur eine Handbreit zu öffnen,
Damit unser Kamel ohne Kratzer hindurch kann,
Um dieser beklemmenden Zangengeburt zu entrinnen.

So kann der Bus den Freiraum nutzen
Für sein weit hinein buchtendes Heck .
Mit Erleichterung merke ich wie der Verkehrsstau,
Wahrscheinlich auch im Innern aller inkriminierten Blechkästen,
Mancher Angststau sich auflöst.
Weil ich die Situation so glücklich gemeistert habe,
So denke ich,
Bräuchte ich eigentlich mit sechsundsiebzig Jahren
Den Altersführerschein nicht zu erneuern.
Er wäre bereits
„Con brio“ bestanden.
*
Traurig stimmt es
Wenn man den wohl einst besuchenswerten
Parque Exotico nahezu vergeblich sucht
Da Hinweisschilder abgerissen sind.
Wenn deine Spürnase trotzdem fündig wird,

Musst du mit Schrecken erfahren,
Dass freiwillige Helfer,
Tagtäglich auf sich opfern
Weil nahezu 200 verwahrloste Tiere
Und noch viel mehr seltene Pflanzen
Ohne fliessende Wasserzufuhr auskommen müssen.
Kein Telefon installiert ist und auch keine Elektrizität.

Verbindungen zur Aussenwelt sind einfach abgenabelt.
Agonie ist angesagt.
Und doch prahlt man immer noch mit den Qualitäten dieses Parkes
Im Reiseführer und auf den neusten Flyer.
Derweil andere zwar äusserst sehenswerte Touristenmagnete
Und die bereits vor der Eröffnung stehenden Mammutprojekte
Mit öffentlichen Geldern bezuschusst werden.
Schande eigentlich, fällt auf jene die diese Vorteile
Grenzen-und gewissenlos selbstherrlich nutzen.
Naturliebe und Hilfe zum rettenden Schutz sind plötzlich vergessen.
*
Jetzt hast du verdient die köstliche Küche der Guanchen zu geniessen.
Lass dir zum Trost einen "Flor de Chasna" kredenzen
Wenn du genauso wie ich Gaumenfreude verspürst
Beim Schlürfen eines fruchtigen Gewürztraminers,
Denn auch diese Kreszenz ist ein herzhafter "Blanco afrutado"
Mit 10,5 %igem Alkoholgehalt
Ein kostbar süffiges Sonnenkind Teneriffas.

Post Scriptum.
Was aber am Tag unserer Heimreise passierte
Passt wohl kaum auf die berühmte Kuhhaut

Und noch viel weniger in eine Komposition von lyrischen Impressionen.

Fünf Polizisten,

Drei zu meiner Rechten,von der Policia locale,
Zwei zu meiner Linken,von der Guardia civil,
Fast wie im Engelsgebet,
Bemühen sich aufopferungsvoll,
Mit Muskelkraft
Und auch per Funk
Um unser gestrandetes Vehikel wieder flott zu machen,
Wobei sie sich nicht scheuen
Eigenhändig ein defektes Rad zu wechseln.
Weil sie aus ritterlicher Berufsethik
Geldbelohnung ablehnen
Beehre ich sie freundlichst,
mit einem spontan und ehrlich gemeinten Kompliment
„You are the Angels oft the road“
Füge aber,zur allgemeinen Belustigung,hinzu
„Unfortunately, only sometimes“.

Sie bieten,falls benötigt, weitere Hilfe an.
Ich scheue mich alsdann nicht,
Mit einem dankbaren Druck,
Deren ölbeschmierte Hände
Herzhaft zu umfassen.

Ohne Servoassistenz erreichen wir den Aeropuerto Reina Sofia
Wo uns der nächste Schicksalsschlag trifft.
Voll ins Genick.

Im Bruchteil einer kurzen Unaufmerksamkeit
Hat plötzlich in der weiten Flughafenhalle,
Mein Rucksack mitsamt umfangreichem Fotomaterial
Keinesfalls selbstständig,das Weite gesucht.

Dies ater,
Beschrieb schon Livius den Tag nach der verlorenen Schlacht,
Die das Schicksal Roms besiegelte.
Wir Luxemburger meinen dagegen:
„Et hätt é wuel besser gehaat dësen Dag am Bett leien ze bleiwen“.
Doch wir wollten zurück,
Zu den stressmilderden Penaten.
Bis auf die Erinnerungsbilder zu obigem Text
Ist ohne Zweifel all das Geklaute zu ersetzen.
Vielleicht schickt die Flughafenpolizei,
Deren Präsenz wir vermissten,
Uns zum Trost
Eine Kopie
Der Videoaufzeichnung.
Hola!
*) Impressionen auf Teneriffa I –bebildert
Siehe: regenwetterheng1.lu