PLAGIAT

 

P: „Es ist wieder still geworden in Deutschland. Wahrscheinlich haben die Halsabschneider keine Zeit gehabt um den vielen, anscheinend unrechtmässigen Doktoren- und Professorentitel, auf den Zahn zu fühlen. Denjenigen, welche ihre Doktorandenarbeit niemals selber redigiert haben, rückt man nicht auf den Pelz. Das könnten die jeweiligen Redakteure ans Licht bringen, doch wollen sie selber im Dunkeln bleiben, denn das verdiente Geld hat eine Farbe. Es ist schwarz. Wenn schon nicht das sogenannte Autorenrecht remuneriert werden muss, dann sollte man auf jeden Fall die Autorenpflicht einführen, denn ich glaube es gibt sie nicht. Ich habe noch niemals nachgeprüft, on ein Buch das Autorenrecht beansprucht oder nicht.

 

Um diese geht ja schliesslich und scheinen mir keinesfalls die inkriminierten Autoren ihr Recht zu beanspruchen, denen man nachgehen kann. Alles andere ist Mache.

 

Mich plagen ebenfalls die Streitigkeiten in Deutschland, die sich immer wieder mit dieser hochgestylten Plage, mit dem Plagiat, befassen.

 

Wenn ein Musiker ein bestimmtes Thema eines andern Komponisten aufnimmt, um darüber „Variationen sur un thême“ zu komponieren, dann findet die heutige, allzu wenig selbstkritische Gesellschaft, dies vollständig in Ordnung. Das kommt daher weil man meistens selber schon weiss, wer Urheber des Originals ist. Es brauch dazu kein Instrument, um dies der Öffentlichkeit in die Ohren zu blasen.

 

Nun gibt es bei Doktorat Arbeiten aber Schriften, die sich unbedingt auf Meinungen und Darstellungen anderer Autoren stützen müssen, um das Thema in seiner kontinuierlichen Bearbeitung, weiter zu entwickeln.

 

Wenn aber ein Doktorand, in seiner Doktorarbeit ebenso vorgeht, aber nicht ausdrücklich zu dem Geschriebenen namentlich vermerkt, dass er sich das Denken und Schreiben Anderer angeeignet hat, dann ist das ein verwerfliches Plagiat. Das klingt so als ob es verboten wäre  mit dem Gelesenen, ein umfangreiches Wissen aufzubauen. Zitate ohne Quellenangabe seien Plagiat. Dabei besteht doch die Unterlassung nicht beim Autoren, sondern beim kritischen, beim anklagenden Leser, der eigentlich genau weiss, wer was geschrieben oder wie und was dieser gedacht hat. Da erübrigt sich meines Erachtens jeglicher Autoren – Nachweis. Ich bin der Meinung dass eine bibliografische Quellenangabe nur dann ihre Wichtigkeit hat, wenn sie zu einer weiterführenden Lektüre hinweisen soll. Alles Andere scheint mir kleinkariert und purer Antagonismus. Satire und Spott sind zum gesellschaftspolitischen Übel geworden.

 

Das Vorgehen löst bei mir Zwiespalt aus, denn in meiner Fachbibliothek besitze ich über 5000 Fachbücher. Sie dienen mir zu meinem ständigen Gebrauch. Drei davon sind die bekanntesten Hüter von drei Landessprachen. Der Duden im Deutschen, der Littré im Französischen, sowie der Oxford Dictionary im Englischen. Sie sind mir immer noch von Nutzen im alltäglichen Sprachgebrauch. Hier gibt es auch keinen Autorenstatus.

 

Das Copyright liegt ausschliesslich auf dem gesamten Werk! Wenn über Plagiat gesprochen wird, dann geht es jedoch nicht allein um eine geschützte komplette Schrift, sondern um den Hinweis auf einen erwähnenswerten Gedankengang der „en bloc“ übernommen wurde, um die Variationen über ein Thema weiter zu führen. Ob der Autor den Urheber des übernommenen Textes namentlich erwähnt, sollte ihm nach Ermessen, frei stehen, ob zur weiterführenden Lektüre angeregt werden soll oder nicht. Bei einer Doktorarbeit sollte dies meines Erachtens jedem Doktoranden überlassen bleiben, die Wichtigkeit von Detailangaben eines übernommenen Textes hervor zu heben oder nicht.

 

Meiner Meinung nach sollte es genügen, bei den Quellenangaben, alle benutzte Originale separat, neben den angeratenen Quellen, anzugeben, damit dies nicht bei jedem Zitat geschehen muss. Doch wer weiss denn schon ob es sich um einen Urtext handelt, oder ob nicht auch bereits übernommen wurde?

 

Nun führe ich einmal diese Diskussion über das Plagiat ins Absurde und betrachte es als abwegig wenn ich ausdrücklich vermerken würde, aus welchen obigen Wörterbüchern ich das etymologisch entstandene Wort in meinen Wortschatz aufgenommen habe. Nicht einmal die Lexika geben immer an, wer der Urheber eines neuen Begriffes, eines neuen Ausdruckes, einer neuen Erkenntnis,  und einer neuen Sichtweise ist.

 

Ich kann hier erwähnen dass ich diesbezüglich einen Wortwechsel hatte mit meinem ehemaligen Englischprofessor, der mich verdonnerte, eine von mir in Time Life gefundene, bisher unbekannte Wortneubildung, ohne Quellenangabe benutzt zu haben. Die Diskussion hierüber, in welcher ich den Professoren fragte ob er bei jedem neuen Wort, welches er gebraucht, immer die Quelle angebe, in welchem Band des „Oxford Dictionary“ er das Wort gelernt hat zu gebrauchen, war mir wenig von Nutzen, denn er bewertete meine Arbeit als hinterlistigen Betrug, mit einer schlechten Note. Also kein Lob für das Erlernte sondern Tadel für das neue Wissen. Ob diese Denkweise dem beruflich diktierten Streben des Professoren näher gekommen ist, mir recht viel Wissen anzueignen, ist fraglich.

 

Mir ist eines klar. Es geht den Kritikern augensichtlich nicht so sehr darum das Gedankengut des Urhebers eines Schreibens zu schützen, sondern wahrscheinlich in Ermangelung des eigenen Besserwissens, um den Feldzug gegen einen weiträumiger denkenden Rivalen. In Deutschland scheint dies eine politisch orientierte Grundbedürfnis zu sein. Es muss doch ein unbeugsamer Drang den Kritiker dazu führen, anstatt einen grossen Teil seiner eigenen Leistungsfähigkeit kreativ zu nutzen, unnütze Zeit zu vergeuden, beim Nachforschen wie der angebliche, geistige Diebstahl zustande gekommen sei. In diesem Fall scheint mir der Vorwurf des Plagiates verwerflicher zu sein als das Plagiat selber.

 

Deutschland hat noch immer nicht gelernt, den in der Vergangenheit üblen und überstrapazierten Missbrauch von Ehre und Stolz zu vergessen. Am besten manifestiert die Masse dies,  bei einem verlorenen Fussballspiel in der Bundesliga. Anstatt nach einer Niederlage die Hosen der Spieler zu wechseln, wird der Trainer ausgetauscht. Diese Nachwehen, des speziell in Deutschland grassierenden, ehrenvollen akademischen Schmisses sollten längst traurige Vergangenheit sein. Wortmensuren kann ich nur als Zeichen aufgekommener mentaler Schwäche betrachten. Akademisches Denken, sollte nicht zur akadämlichen Hetzjagd degradieren.

 

Jetzt wird wiederum der Falsche zerfleischt. 2 bekannte Doktoranden haben ihren Doktortitel jetzt öffentlich aberkannt bekommen…na warum denn eigentlich? Genau genommen müsste die Universität, der Pate des Doktoranden und seine Vorgesetzte eine Bestrafung bekommen, weil sie jetzt erst zig Jahre nach den Doktorarbeiten zugeben, dass sie (egal aus welchem Motiv) den Doktortitel zu Unrecht verliehen haben. Genau dies aber geschieht nicht und das ist für mich der Beweis, dass man auf der einen Seite lieber eine Universität sieht mit vielen Doktoranden  und weil man in Parteikreisen die Situation ausnützt um der Gegenpartei eins aus zu wischen. Es geht also keinesfalls um Ehrlichkeit, sondern lediglich um vermeintliches, ja vorgetäuschtes Ehrempfinden. Mentalität lässt grüssen.

 

 

 

Gegen die Treibjagd auf Wildsäue wird fleißig gemeckert.
Gegen den Homo sapiens, dies arme Schwein, wird jede Hetzjagd zum Sport
.“

 

 

Anmerkung vom Autoren dieses Essays.

 

Wikipedia hat es möglich gemacht, dass ich bei vielen Bildbeschreibungen in meiner Homepage, den im Internet vorgefundenen und gratis nutzbaren Text, nach Bedarf und stichwortartig übernommen habe. Als Dank und Anerkennung dafür habe ich der Non-profit Gesellschaft Wikipedia eine Spende (als eine Art Aufführungsrecht – droit d’auteur) von 20 Euro überwiesen. Damit fühle ich mich der öffentlichen Bezichtigung des Plagiats entzogen.

 

Nachfolgend das Dankesschreiben von Wikipedia.

 

 

 

Dear Henri,

 

You are amazing, thank you so much for donating to the Wikimedia Foundation!

 

This is how we pay our bills -- it's people like you, giving five dollars, twenty dollars, a hundred dollars. My favourite donation last year was five pounds from a little girl in England, who had persuaded her parents to let her donate her allowance. It's people like you, joining with that girl, who make it possible for Wikipedia to continue providing free, easy access to unbiased information, for everyone around the world. For everyone who helps pay for it, and for those who can't afford to help. Thank you so much.

 

I know it's easy to ignore our appeals, and I'm glad that you didn't. From me, and from the tens of thousands of volunteers who write Wikipedia: thank you for helping us make the world a better place. We will use your money carefully, and I thank you for your trust in us.

 

Thanks,

Sue Gardner
Wikimedia Foundation Executive Director

 

For your records: Your donation on 2012-10-09 was EUR 20.00.

 

This letter may serve as a record of your donation. No goods or services were provided, in whole or in part, for this contribution. The Wikimedia Foundation, Inc. is a non-profit charitable corporation with 501(c)(3) tax exempt status in the United States. Our address is 149 New Montgomery, 3rd Floor, San Francisco, CA, 94105. U.S. tax-exempt number: 20-0049703

 

P.S. geschrieben am 7.2.2014 zur Aberkennung des Doktortitel von Annette Schavan.

 

 

 

Heute habe ich meine Spende an die Wikipedia Gesellschaft erneuert. 30 Euro.

 

 

 

Guten Tag Henri,

 

vielen Dank für Ihren unschätzbaren Beitrag, allen Menschen auf der Welt Wissen zu vermitteln.

 

Mein Name ist Lila Tretikov und ich bin Geschäftsführerin der Wikimedia-Stiftung. Während des letzten Jahres haben Spenden wie Ihre uns darin unterstützt, die Wikipedia auf 287 Sprachen zu erweitern und sie überall auf der Welt verfügbar zu machen. Unser Ziel ist es, vor allem die Menschen zu erreichen, die keinen anderen Zugang zu Bildung haben. Wir bringen Wissen an Leute wie Akshaya Iyengar aus Solapur, einer kleinen Stadt in Indien, in der Textilien hergestellt werden. Akshaya benutzte Wikipedia als ihre Hauptlernquelle. Für Studierende in Gegenden, in denen Bücher selten sind, die aber über Internetzugang verfügen, ist Wikipedia daher entscheidend. Akshaya schloss ihr Hochschulstudium in Indien ab und arbeitet nun als Softwareingenieurin in den Vereinigten Staaten. Sie ist der Meinung, dass sie die Hälfte ihres Wissens Wikipedia zu verdanken habe.

 

Akshayas Geschichte ist kein Einzelfall. Unser Auftrag ist anspruchsvoll und stell uns vor große Herausforderungen. Die meisten Wikipedia-Nutzer sind überrascht wenn sie erfahren, dass Wikipedia durch eine gemeinnützige Organisation betrieben wird, die sich durch Spenden wie die Ihrige finanziert. Jedes Jahr spenden gerade genügend Personen, damit das gesamte menschliche Wissen allen verfügbar bleibt. Wir danken Ihnen, dass Sie diese Mission möglich machen.

 

Im Namen einer halben Milliarde Menschen, die Wikipedia lesen, Tausender freiwilliger Autoren, sowie den Mitarbeitern der Wikimedia-Stiftung bedanke ich mich bei Ihnen dafür, dass Sie dabei helfen, dass Wikipedia auch dieses Jahr weiter existieren kann und frei von Werbung bleibt.

 

Vielen Dank,

 

Lila

 

Lila Tretikov
Geschäftsführerin,
Wikimedia Foundation
donate.wikimedia.org

 

P.S.2 geschrieben am 20.08.2015