Das 7. Jamboree in Bad Ischl.


Ich weiss nicht welcher stümperhafte Pädagoge mich in eine wildfremde Pfadfindergruppe schleuste, nur kann ich hier bezeugen, dass dies wohl keine so gute Idee war, denn ich fühlte mich keinesfalls zu diesen gehörend und machte mich sozusagen selbstständig. Ich war wenig gebunden und konnte mich entfernen wann und wohin ich wollte. Doch an den gemeinsamen Fahrten, auf den Feuerkogel und an der Schifffahrt auf dem Wolfgangsee nahm ich selbstverständlich teil.

Ich traf im „Weissen Rössel“ den Korrespondenten der Associated Press, dem ich bereits im Camp begegnet war. Dort trug er eine Pfadfinderuniform. Heute war er in Zivil. Und auch er erkannte mich wieder und wir kamen sofort in ein freundschaftliches Gespräch: „Weiss du, wer dort in der Veranda sitzt?“ so fragte er mich. Natürlich konnte ich es nicht wissen. „Das ist Ralph Benatzki, der Schöpfer des Singspiels „Im weissen Rössl“, möchtest Du einige Worte mit ihm sprechen?“ Natürlich war ich begeistert. Benatzky stammt aus Tschechien. Er verstarb 6 Jahre nach diesem Treffen (16.10.1957).

„Das wäre eine herrliche Gelegenheit, um von diesem weltbekannten Mann ein Autogramm zu bekommen“, antwortete ich. Schon war der Kollege unterwegs und durch die Glastür hinein in die Veranda. Ich sah, wie er mit dem Komponisten sprach, wie dieser an ihm vorbei in meine Richtung schaute und mich zu ihm winkte. „Von wo kommen Sie denn, junger Freund.“ „Aus Luxemburg“. „Ah, dann sind wir ja Nachbarn.“ Das verwirrte mich zwar im ersten Augenblick, aber ich hatte bereits mein Notizbüchlein zur Hand und bat um ein Autogramm. „In Erinnerung an das Weisse Rössl am Wolfgangsee.“ So schnell und so knapp war unsere Unterhaltung. Da der gute Mann noch andere Leute bei sich am Tisch sitzen hatte, verabschiedeten wir beide uns schnell und kehrten zu unsern Getränken zurück. „Der Herr Benatzky wird wohl nicht wissen, wo Luxemburg liegt, wenn er meint, wir wären dann Nachbarn. Er lebt ja in der Schweiz und bestimmt hat er Luxemburg mit Lichtenstein verwechselt.“ „Du kannst recht haben“ meintemein neuer Freund.“

Ich musste mit der Truppe weiter. Die Maultrommel auf der obigen Plakette sowie der zum Sprung ansetzenden Gämsbock sollten mich später noch etwas beschäftigen.

Am Abend traf ich ihn wieder, meinen Pfadfinderfreund, diesmal hatte er wieder die Pfadfinderuniform an. Wir sassen in einem rauchgeschwängerten Lokal mit vielen Gästen. Neben mir eine stramme, ja rassige Ungarin, auch in Girlguide Uniform. Diese schien sich an mir zu interessieren oder mich einwickeln zu wollen. Mein Korrespondent zog mich am Armzipfel hinaus zur Toilette und meinte dort: “Lass deine Finger von dieser Göre, die jeden anmacht. Sie treibt ein gefährliches Spiel.“

Darauf hin schaute ich eben etwas mehr zu meiner Linken und sprach mit der korpulenten Kellnerin, die sich etwas Ruhe zu gönnen schien und soeben dort Platz genommen hatte. Wie es sich herausstelle aber anscheinend auch, um dem interessanten Gespräch zuzuhören, oder hauptsächlich um mich anzumachen. Mir wurde auf einmal klar, welche Rolle ein Mann in einer Welt zu spielen scheint, die durch den letzten Krieg arm geworden war an Männern und so umschwärmten die Bedürftigen, ja eher sollte man sie als lustgetriebene Weibsbilder bezeichnen, besonders die Jugendlichen und damit die männlichen Gäste aus aller Welt. Aus dem Radio erklang immer wieder das Lied dieses Camps: „Brüder auf, nun hört die Melodie. Österreich ruft zum 7. Jamboree“.

Ein Pfadfinderkollege aus Oberkorn trat kurz in dieses Lokal ein, schaute sich um, und als er mich erblickte, sagte er mir er hätte einen Fahrer mit Auto. Ob ich nicht gerne mit ihm nach Bad Ischl fahren würde. Ich hätte dies wohl gerne getan, wollte aber zurück in den Camp, um dort zu schlafen, denn es war bereits dunkel.

Plötzlich begann ein unheimliches Gewitter loszubrechen und die Wassermassen, die damals über das weit ausgebreitete Campingfeld mit Hügeln und Tälchen niedergingen, verwandelten alle Zufahrtwege in grosse Seeflächen und mein Versuch an diesem Abend in unser Lager zurückzukehren, musste ich vergessen. Ich hatte keine Taschenlampe bei mir, nur etwas Licht vom Zeltlager erleuchtete die Schlammlöcher, durch welche ich hoch wollte. Ich hatte Schuhe und Strümpfe ausgezogen und diese unters Hemd verstaut. Als das Wasser mir bereits bis an die Hosenbeine reichte, gab ich mein Vorhaben auf und ging zurück in die Kneipe, wo ich mir in der Toilette die Beine vom Schlamm befreite und dann wieder Strümpfe und Schuhe anzog.

Mein Korrespondent sass noch immer am gleichen rustikalen Tisch. Die Ungarin war verschwunden, nur die korpulente Kellnerin lachte mir bereits zu, als ich mich zu ihr setzen wollte. Der Mann von der Associated Press erblickte mich auch und fragte sofort: „Bist du nicht mit nach Bad Ischl gefahren?“ Natürlich erklärte ich ihm mein Vorhaben, da ich aber sehr gerne auch Bad Ischl kennenlernen möchte und sofort erhob er sich, nahm mich beim Arm und wir verabschiedeten uns.

In seinem Wagen fuhren wir in die Stadt. Wir kehrten ein in einem Lokal, was eher eine Bar war, wo eine Jodlerin die bei der Radiostation Blauweissrot (?) angestellt war, ihre Lieder vortrug. Eine kleine Kapelle unterhielt die Anwesenden mit flotter Ländlermusik. Ich erinnere mich mehr der Farbenfolge im Namen der Rundfunkanstalt.

PS. Es kann auch sein, dass der Sender Rot weissblau geheissen hat. Es gibt ihn heute nicht mehr, es könnte aber sein, dass der heutige Sender „Grün-weiss“ ein Nachfolger geworden ist.

So geschah es, dass mein Kollege die Jodlerin sofort interviewte und wir beide uns dabei näher kennenlernten. Ein schottischer Pfadfinder im Kylt kam auf uns zu und wollte die Jodlerin ebenfalls kennenlernen. Da er kein Deutsch und sie kein Englisch sprechen konnten,musste ich mich als Dolmetscher anbieten. Der Wirt hatte schnell mitbekommen, was sich da in sehr kurzer Zeit abspielte, weil die Jodlerin immer länger wartete, bis sie wieder einen Jauchzer von sich gab. Er redete mich an, und als er erfuhr, dass ich Luxemburger sei, da ging er kurz weg und kam mit seiner Frau zurück, die irgendwie Verwandtschaft in Luxemburg zu haben schien und mit mir sprechen wollte, über das bereits mehrmals von ihr bereiste Land. Das hätte eigentlich nicht passieren dürfen. Auf der Stelle bot der Wirt mir freies Getränk an, wenn ich in seinem Lokal als Dolmetscher behilflich sein wollte, denn es verkehrten so viele Ausländer hier, mit denen es ihm schwer fiel sich zu verständigen, zumal wenn sie besondere Wünsche hatten. Ich willigte ein. Er veranlasste die Kapelle einen Tusch auf mich zu spielen und kurz darauf spielte man den „Hämmelsmarsch“, in der Annahme unsere Nationalhymne zu spielen. Das hatte man so eingeprobt, um bei den vielen Ausländern Eindruck zu schinden. Zum Spass setzte ich mich auch in die Kapelle und spielte eine dieser tausendmal heruntergeleierten Etüden aus meiner Klarinettistenzeit, aus purer Protzerei. Auch das schindete Eindruck und so geschah es, dass ich als einen der Ihrigen betrachtet wurde. Natürlich begeisterte das alles die anwesenden Gäste. In einem Nebenraum wurde mir alsdann aufgetischt, natürlich gratis. Zum Glück gab es nicht dieselben gekochten Kartoffeln im Essig, die man uns am Feuerkogel serviert hatte. Ich kann vieles Probieren und verweigere selten Hausmanns Kost. Doch diese Kartoffeln im Essig bekam ich nicht weg.Heute esse ich sehr gerne diese platten Kartoffelscheiben aus der Bratpfanne, in Entenschmalz gedünstet mit Zwiebeln, Lorbeerblättern und einem Schuss Essig darüber.

In diesem Nebenraum sassen und assen auch manche Einheimische. Diese wollten alles Mögliche über unser Land erfahren und dann das Gespräch auf die Politik bringen. Es wunderte mich, als der Wirt mich sofort beim Arm nahm und mir anriet mich nur gar nicht in ein solches Gespräch ein zu mischen, denn hier sassen, frühere Nazis, Tiroler Separatisten, echte Österreicher und was noch alles von Meinungsvertreter möglich war. „Sonst wird es auf einmal hier Mord und Totschlag geben“, meinte der gut gelaunte Wirt!

Ich war gewarnt. Natürlich war ich begeistert von den aparten Bekleidungsstücken, die von den Einheimischen als Volkstracht getragen wurden. Einer in der Runde hatte einen Tirolerhut mit Gamsbart und genau so einen Gamsbart wollte ich haben. Bald hatte ich das Gespräch in diese Richtung gebracht und man erzählte mir als verfehlten Förster im grossen Eifer, wie in diesem Land gewildert wird, welches Wild noch in den Bergen geschossen werden kann und dann begannen die Jagdleute sich ihrer Trophäen zu rühmen. Einen der mir scheinbaren Angeber, der meines Erachtens sich am meisten hervortat mit seinen gesammelten Gamsbärten, den nahm ich mir aufs Korn und meinte: „Ich glaube Sie übertreiben wohl mit all diesen Gamsbärten.“ Da hätte man hören sollen, was auf einmal los war. „Mit soviel Gamsbärten könnten sie doch einem Pfadfinder einen Gefallen tun und ihm einen verkaufen, doch werde ich wohl das Geld dafür nicht aufbringen können.“ Diese Aussage hatte einen unerwarteten Erfolg. Aller Augen waren jetzt auf den Gehetzten gerichtet. Jedermann stachelte ihn an, sich doch endlich erweichen zu lassen. Er geriet immer mehr in die Bedrängnis. Dann sprang er auf: „Bleib hier Cowboy, ich fahre jetzt nach Hause und werde dir meine Sammlung zeigen.“ Gesagt getan. Sein Kollege hatte ein Motorrad vor der Tür stehen. Beide schwangen sich hinauf und los ging die Fahrt. Als sie nach geraumer Zeit zurückkamen, ich hatte bereits vermutet, dass dies nicht mehr geschehen würde, hatte ich bereits wieder meine Dolmetscherrolle spielen müssen, zwischen dem Schotten und der Jodlerin. Die Jodlerin wollte unbedingt wissen, was für eine Wäsche erunter dem Kylt trage. Ich ahnte bereits Skandalöses, doch der rothaarige Schotte scheute sich nicht, erhob sich von der hölzernen Bank und hob seinen karierten Rock hoch und zu sehen war eine ebenfallsbunt karierte Unterhose aus denen kräftige Oberschenkel hervorstanden. Nahezu das ganze Lokal war auf den Beinen um sich zu überzeugen, dass die üble Nachrede, alle Schotten würden keine Unterhosen unter dem Kylt tragen, überhaupt nicht stimme.

Die Jodlerin küsste ihren neuen Freund und schmetterte einen separaten Jodler a capella, der uns allen in den Ohren schallte. Auch meinem Freund mit dem Gamsbart waren die Stielaugen wieder zurückgestellt und er zog mich hinein in die Räumlichkeiten, die nur der einheimischen Stammklientel reserviert war. Dort zog er drei verschiedene Gamsbärte aus seinem Jagdbeutel und meinte etwa so ähnlich: „Do, such dir einen raus, d’kannst ihn behalten. Du kriegst ihn umsonst, weil du so’n extra feiner Karl bischt.“ Die Einheimischen gratulierten ihm für seine heldenhafte Tat und das Geschenk, das er mir machte. Ich war natürlich überaus begeistert.
Ich kam nicht aus dem Staunen heraus und als ich meinen Pfadfinderhutmit dem Gamsbart schmücken wollte, da war er mir dabei behilflich. Er müsse an den Riemen festgebunden werden, damit er nicht leicht verloren gehe oder geklaut werden kann. Noch immer schmückt diese, meine Bad Ischler Jagdtrophäe, die ich soeben ergattert hatte, mein Pult in meinem Büro, und wenn ich ihn etwas näher in Augenschein nehme, dann schmücken ihn auch noch einige herrliche Gräser aus der Puszta Ungarns, die mein Freund mir geschenkt hatte.

In dem Lokal war wahrlich die ganze Nacht über etwas los, aber je näher es gegen Morgen ging, je öfter fielen mir die Augen fast zu und erst gegen 4 Uhr in der Frühe brachte mich der Wirt mit seinem Wagen bis vor die Tore des inzwischen zum Schlammboree gewordenen Campingfeldes. Er ging auch mit diesem Beinamen in die Weltgeschichte ein.

Den beiden Liebhabern musste ich meine Adresse geben, damit ich die geschriebenen Liebesbriefe übersetzt weiter leiten konnte. Ich muss gestehen, dass ich diese Verantwortung leichtfertig übernommen hatte, was sich aber als immer schwieriger herausstellte. Denn das was der draufgängerische Schotte seiner Jodlerin schrieb, war alles als nicht galant, wenigstens in meinen Augen, und so kam es, wie es kommen konnte. Erstens ohnmächtig die eher schlüpfrigen Nuancen bedeutungsgerecht zu übersetzen und dann die meist, aus meiner Sicht jedenfalls belanglosen Alltagsbemerkungen z. B., wie das Wetter sei, oder die Temperaturen draussen, trieben mich verführerisch dazu meine eigenen Gedanken und Bemerkungen, in eher romantischen Art, in die Briefe an die Jodlerin einzuschmuggeln, was auf die Dauer aber immer unhaltbarer wurde, wenn die Jodlerin dann auf diesen Wortlaut antwortete und der Schotte überhaupt keine Ahnung hatte, wovon sie schrieb. Eine solche Kupplerei wollte ich mir jedenfalls nie mehr aufhalsen, soviel hatte ich bei diesem Experiment gelernt. Doch der clevere Schotte hatte sich zu einem deutsch Studium hinreissen lassen und die Jodlerin ihrerseits, versuchte sich in englischer Sprache, sodass auf einmal der Briefwechsel von Liebesbezeugungen über eine Zwischenstation in meinem Dolmetscherbüro nicht mehr erwünscht war. Ich habe nie erfahren, welches Ende diese Liebschaft genommen hat.

Als ich an diesem frühen Morgen vor den Toren des Camps stand und mich,barfuss den Schlamm durchwatend, zu meinem Zelt vor arbeitete, überfiel mich eine solche Müdigkeit dass ich, ohne mich auszuziehen, wie ein Sack auf meinen Schlafsack fiel und einige Stunden später fast nicht wach wurde, als allgemeines Wecken war. Natürlich konnte ich mich immer wieder herausreden und behaupten ich wäre so lange bei meiner eigenen Truppe gewesen, was bei dem schlechten Wetter schnell als bare Münze verstanden wurde.



Schwimmen im Nussensee.


Die Freizeitgestaltung auf diesem 7. Jamboree, der im Jahr 1951 über die Bühne ging, (dieses internationale Zelten wiederholt sich nahezu alljährlich seit 1920) war sehr gut organisiert und auch vielseitig interessant, abgesehen von dem gewaltigen Unwetter, das dieses Jamboree zum Schlammboree werden liess. Etwa 13000 Pfadfinder aus aller Welt trafen sich dort in einer kameradschaftlichen Zeltstadt. Da gab es den anderwärts in meinen Memoiren bereits beleuchteten Besuch von St. Wolfgang am gleichnamigen See, mit seinem weltweit bekannten Hotel, das „Weisse Rössl“, wo ich die Bekanntschaft machte von Ralph Benatzky, dem Autoren des Singspiels „Im weissen Rössl“. Er starb sechs Jahre später (1957) in Zürich. Als wir uns begegneten, zählte der Künstler also 67 Jahre. Ich war dagegen erst 19, als auch das nachfolgende Ereignis stattfand.

Der Traunsee befand sich ebenfalls auf unserer Ausflugsliste, mit manchen schönen Städtchen an seinen Ufern, wie Ebensee, Traunkirchen und auch Gmunden. Ganz in der Nähe starteten wir damals unsere Seilbahnfahrt auf den 1624 Meter hohen Feuerkogel. Doch diese Fahrt erwies sich als Fehlschlag, weil dichte Wolkenbänke jegliche Sicht im Umkreis verhinderten und es uns regelrecht kalt wurde, besonders da wir ja in kurzen Hosen dort oben weilen wollten. Dazu bahnte sich ein Gewitter an. Da war es schon ratsam, sich nicht im Gebirge aufzuhalten. Ich erinnere mich noch, dass wir anschliessend in einem Restaurant der näheren Umgegend Mittag machten. Das Essen war vorbestellt. Damals schauderte ich mich, als ich zum ersten Mal heisse Kartoffeln in einem stark vom Essig betonten Saft vorgesetzt bekam, abgesehen vom Fleisch und anderem Gemüse. Heute haben wir zuhause dieses Menü auf persönliche Gaumenbedürfnisse umgestellt. Zuerst werden die Kartoffeln in Taler geschnitten, die ca ½ cm dick sind. Dazu eignen sich die etwas mehligeren Sorten „Nicolas“, „Bintje“ oder „Charlotte“ am besten. Sie braten in einer mit heissem Schweine- oder Entenschmalz eingefetteten Pfanne. Gewürzt wird mit Salz und Zwiebeln. Es kann auch Gänseschmalz gebraucht werden, was sich bei der Zubereitung von Sauerkraut als geschmacksverbessernd erwiesen hat. Mehrere Lorbeerblätter vor allem, die den charakteristischen Geschmack wiedergeben sollen, müssen unbedingt beigelegt werden und zum Schluss wird mit einem Schuss Essig abgeschmeckt, was auch ein Anschlagen der Kartoffeln in der Pfanne verhindert. Mit herbem Wein abgeschmeckt, habe ich diese Zubereitung noch nie probiert. Die Kartoffelscheiben fallen an den Rändern in weiche Stücke, wenn sie den besten Grad der Zubereitung erreicht haben.

Doch nun zum Nussensee, der in einem Berghang etwas westlich von Bad Ischl liegt. Es sollte eine gemütliche, erholsame Wanderung werden, in der dort noch fast unberührten Natur. Damals gab es hier noch keinen Touristenrummel. Der See liegt eingeschlossen vom Wald auf einer Nordhangstufe. Wir konnten ihn zu Fuss erreichen, also nicht weit von unserm Zeltlager entfernt. Dieser kleine See schmiegt sich etwa 700 Meter lang an eine ziemlich steile und dicht bewaldete Bergflanke. Dagegen aber ist er nur etwa 100 Meter breit. Rundum wächst Mischwald, doch hauptsächlich kann man Nadelhölzer erkennen. Unsere Chefs hatten uns angeraten das Schwimmzeug mit auf die Wanderung zu nehmen, weil ein Bad im Nussensee vorgesehen war.

Ein schöner Tag schien sich also anzubahnen. Die Sonne schaute bereits über die Bergzinnen, als wir loszogen. Ein vielleicht etwas schneller Anstieg in den Berg, sowie die ebenfalls steigende Lufttemperatur, machten sich recht bald auf unserm Körper bemerkbar. Ungewohnten Wanderern war der Schritt manchmal zu schnell, bei anderen färbten sich bald Ärmel und Kragen dunkel, weil Schweiss aus den Poren austrat und als wir an den herrlichen Waldsee gelangten, hatte sich in vielen von uns der Wunsch breitgemacht, bald ein kühlendes Bad zu geniessen. Die Ufer auf der Südseite lagen gerade noch im Schatten des Baumwuchses. Als wir nach einem leichten Anmarsch dort angekommen waren, starrten wir nahezu gierig auf den herrlich blauen See, der zum Baden einladete. Unter den ersten Fichten befand sich eine kleine Hütte, wohin der Bootsvermieter sich zurückziehen konnte, um seine Buchführung zu machen. Ein nagelneuer Steg ragte mit seinem vorderen Ende aus dem Schatten heraus bis ins offene Wasser. Einige vergammelte Stützen des alten Steges lugten noch über die Wasseroberfläche. Hier waren einige bunt bemalten Nachen festgemacht. Nur der Bootsvermieter, mit dem wir alsdann „geschäftlich“ in Verbindung traten, war zugegen, sonst war keine fremde Seele zu sehen.

Im Ufergestein plätscherten die vom leichten Wind bewegten Wellen. Es stellte sich alsdann heraus, dass nur wenige eine Badehose dabei hatten. Die blaue Wasseroberfläche des Sees spiegelte einladend den Himmel auf Erden, mitsamt einigen einsamen Wölkchen. Sie zogen langsam dahin und deuteten auf eine längere Schönwetterlage hin. Vom sanften Wind bewegt, der vom nahezu unbesonnten Hang des Berges herunterfiel, kräuselte sich die Oberfläche des Wassers leicht und einladend. Traumhaft schön war die Landschaft rundherum. Eine Idylle. Einige Kollegen beeilten sich auf dem Steg, um Schuhe und Strümpfe auszuziehen, um mit gestreckten Füssen dem erwartungsvollen Nass die Temperatur zu nehmen. Es zeigte sich alsdann, dass die Wassertemperatur keinesfalls so angenehm war, als erwartet. Sie fühlte sich empfindlich kühler an, möglicherweise, weil man sich bereits warm gewandert hatte. Das entsprach jedoch ganz normal der Temperatur eines Sees, der am Tag nur kurze Zeit einer wärmenden aber schnell wieder hinter den Bergen versinkenden Sonne ausgesetzt ist.

Es gab alsdann eine rege Diskussion. Eine grössere Gruppe wollte nicht hinein in das nach ihrem Empfinden zu kalte Wasser. Darunter befanden sich auch welche, die nicht schwimmen konnten. Man riet ihnen deshalb auch vorsichtshalber ab mit in eines der gemieteten Boote zu steigen, andere berieten sich und kamen zu dem Entschluss die Wanderung rundum den See fortzusetzen, bis ans gegenüberliegende Ende. Dieser Vorschlag erzielte auch meine vielleicht doch etwas voreilige Zustimmung. Die kleine Anzahl der mutigen Schwimmer sollte sich demzufolge ebenfalls am gegenüberliegenden Ende des Sees einfinden. Das bedeutete, dass man entweder durch den ganzen See hindurchschwimmen sollte, oder unterwegs in eines der Boote steigen konnte. In die Boote verstauten diejenigen ihre Kleidung, die bereit waren diese Schwimmleistung zu vollbringen. Die Boote sollten sicherheitshalber uns Schwimmer begleiten und Ermüdende aufnehmen. Das war schneller gesagt als getan. Der Bootsbesitzer erklärte sich bereit in einem der beiden Boote mitzufahren, um seine Geschäftsbasis selber wieder an den Ausgangspunkt zurückzurudern. Es zeigte sich auch gleich, wer eine Badehose dabei hatte und wer nicht. Da wir merkten, dass wir ganz allein hier am See waren, erlaubten sich einige selbst und spontan ohne Badehose, das heisst ungeniert und pudelnackt, ins Wasser zu steigen. Niemand stellte sich gegen diesen Entscheid. Es ward dann abgemacht, dass sich alle drüben am Waldesrand wieder treffen, die Wanderer, die Bootsfahrer mit unseren Kleidern, sowie die Schwimmer. Niemand empfand also etwas dabei weil Verschiedene nackt badeten. Manche hätten am liebsten auch ihre Badehose wieder ausgezogen.

Ich muss gestehen, auch ich hatte keine Badehose dabei, doch wäre ich gegebenenfalls mit der Unterhose ins Wasser gegangen. Ich entschied mich aber auch für das nackte Schwimmen. Als ich mich auszog, kamen mir zuerst doch etliche Bedenken, die sich aber schnell verflüchtigten, sobald ich ins Wasser getaucht war. Was war schon dabei? Niemand erregte Ärgernis, einfach so ohne Badehose zu schwimmen. Ärgernis erregen ist sowieso etwas Relatives und Subjektives. Nur der Bootsvermieter konnte sich ein gutmütiges Lächeln nicht verkneifen. Kein Wesen der irdischen Fauna hat je den Wunsch verspürt, sein Geschlecht zu verstecken. Nur der Mensch. Ob sich das auch wirklich erst nach der gegessenen Frucht von diesem symbolischen Baum der Erkenntnis zeigte, oder eher eine Folge der eingehämmerten Doktrin. Ich musste unweigerlich an die Klosterkirche in Einsiedeln denken, die wir mit einer Pfadfindergruppe kurze Zeit vorher besucht hatten. Auch dort störte sich niemand an den vielen halb nackten und nackten Putten sowie den ausgewachsenen und mit Luft bekleideten Engeln, die immer noch als wesentlicher Bestandteilder Rokokokunst verstanden werden. Sogar Michel Angelo scheute sich nicht, öffentliche Statuen nackt darzustellen. Sie wurden auf öffentlichen Plätzen errichtet und sind heute nicht mehr wegzudenken. Das ist eben Kunst. Ich fühlte mich als lebendiges Kunstprodukt. Doch musste ich meine Sinne jetzt sofort wieder zusammennehmen, um mich zuerst an das doch etwas frische Nass zu gewöhnen.

Als wir mit einer befreundeten Familie einige Jahre später, im offenen Meer bei Valras-Plage badeten, da hatten die beiden Söhne meines Kollegen R.L. ebenfalls das Bedürfnis zu probieren, wie sich nacktes Baden auf das Wohlgefühl der Psyche auswirken würde. Einer der Söhne, er ist heute Chefarzt in einer Privatklinik in Bremen, bedauerte es nirgendwo seine Hose abstreifen und hinlegen zu können. Da ich bereits aus Erfahrung wusste welch ganz spezielles Gefühl das nackte Baden auslöst, bot ich mich an, alles Schwimmzeug in meiner Hose aufzubewahren, während die Jungens des Kollegen, sowie meine Mädchen, das Experiment im Wasser schwimmend vollzogen. Sie zogen sich im Wasser aus und reichten mir die störenden Kleidungsstücke.

War es ganz natürliche Scheu, oder war es anzivilisierte Scham die es diesen Jugendlichen sehr schwer fallen lies nachträglich über das im Meerwasser erlebte Experiment zu sprechen? Sie waren wahrscheinlich blockiert durch ein Gefühl der Unpässlichkeit. Das Einzige was sie zu bemerken bereit waren, dass es ein bisher nicht erlebtes Gefühl sei.

Welch ein herrliches Gefühl jedoch, einer bisher noch nie erlebten Freiheit mich persönlich im Nussensee beschlich, kann ich ebenfalls schwer in Worten fassen, ohne dabei ins Schwärmen zu geraten. Es ist schon ein wunderbares Gefühl, vollständig nackt in Gottes freier Natur und unter diesem wunderbaren Blau des Himmels zu schwimmen. Ich war keinesfalls erpicht mit den anderen Schwimmern ein Wettschwimmen zu veranstalten. Da ich sowieso kein schneller Schwimmer bin, blieb ich bald ein gutes Stück hinter den spurtenden Kameraden zurück. Die Insassen in dem mich begleitenden Boot leisteten mir Gesellschaft. Wir unterhielten uns, während ich mich anstrengte mit Nase und Mund stets über der Wasseroberfläche zu bleiben. Das Gespräch ging von lustigen und auch spöttischen Bemerkungen, bis hin zur Anfeuerung doch etwas schneller zu schwimmen. Ich muss gestehen, es wurde mir schnell bewusst, dass ich mich gewaltig in der Distanz geirrt hatte. Wahrscheinlich hatte ich meine eigenen Leistungsmöglichkeiten überschätzt. Was mir zuerst, wie ein Katzensprung vorgekommen war, entpuppte sich bald als eine Strecke von weit über 500 Meter, wenn nicht sogar mehr als einem Kilometer. Während ich noch auf halber Strecke paddelte, begannen die ersten Schwimmer sich bereits dem Ziel zu nähern. Sie riefen nach ihren Kleidern. Das mich begleitende Boot lies mich notgedrungen im Stich, um den andern ihre Kleidungsstücke zu bringen. Das störte mich jedoch wenig.

Ich schwamm in aller Seelenruhe und im gewohnten Tempo weiter, obschon ich erste Anzeichen von Ermüdung verspürte. Ich genoss aber noch immer das Baden. Noch nie war ich in meinem Leben so weit geschwommen. Bedenken überkamen mich trotzdem erst, als ich mir überlegte, ob ich das je schaffen würde. Ich konnte weder crawlen noch im Schmetterlingsstil schwimmen, so war ich auf Brust- respektive auf das Rückenschwimmen angewiesen.

Um mich ein wenig zu schonen, legte ich mich alsbald auf den Rücken und wirbelte nur noch mit meinen Handgelenken, die ich wie Schaufelräder im Kreis drehte. An den über mir vorbei gleitenden Baumwipfeln konnte ich erkennen, dass ich auch auf diese Weise vorwärtskam, wenn auch nicht schnell. Abwechseln machte ich kräftige Beinstösse beim Rückenschwimmen, die mich schneller durch Wasser trieben.

Harziger Duft drang mir in die Nase. Der blaue Himmel über mir war grenzenlos weit und die Tiefe des Sees unter meinem Rücken, begann mich bereits etwas mehr zu interessieren. Da ich keine Ahnung hatte, wie tief überhaupt dieser Abgrund sein konnte, begann meine Fantasie Kapriolen zu schlagen.

Als ich so auf dem Rücken schwimmend gemächlich aber voller Wonne über den See dahinglitt, geschah plötzlich etwas, was ich in meinem Leben nicht vergessen werde. Das Wasser um mich herum wallte auf einmal erschreckend kräftig. Mein Kopf geriet urplötzlich in eine frostig eiskalte Strömung. Ich verspürte es wie einen Schlag. Es war mir aber schnell bewusst, dass es eisige Kälte war, die mich befiel. Dann schob sich mein Oberkörper hinein in diesen eiskalten Bereich und schon schmerzte mich mein ganzer Leib. Ich fühlte mich verkrampft und stellte erschreckt fest, dass meine Gliedmassen sich absolut nicht mehr bewegen liessen, so sehr ich mich auch anstrengte. Auch mein Unterleib trieb hinein in diesen eisigen Frostbereich, worauf auch meine Beine mir sogleich jede Hilfe versagten. Es gab kein Entrinnen. Ich glitt also total machtlos dahin, am ganzen Körper erstarrt, gelähmt. Die Kälte umschlang mich wie ein Eispanzer. Hilfslos trieb ich nun auf diesem mir jetzt heimtückig gewordenenSee. Ein Glück, dass ich noch etwas Schub hatte, denn ebenso urplötzlich wie diese eisige Kälte über mich hereingebrochen war, geriet ich wieder in eine wärmere Zone. Lauwarm kroch es zuerst wie Zauber über meinen Kopf, dann schoben sich meine Arme und Beine in diese wohltuende, wärmende Blase. Es war mir, als ob meine Gelenke auftauten, sich wieder bewegen liessen. Und das stimmte auch. Mit kräftigen Stössen musste ich jetzt aufs rettende Ufer zustreben.

Dieses Ereignis hatte mir eine unbeschreibliche Angst eingejagd. Ich glaubte zuerst an einen Schwächeanfall, wegen der ungewohnten Anstrengung. Dann drehte ich mich schnell wieder in Bauchlage um, denn das Brustschwimmen ermöglichte mir erneut den Blick zum Ufer, was mir auch etwas mehr Zuversicht verschaffte. Da ich aber wissen wollte, was da hinter mir passiert war, verharrte ich einen kurzen Augenblick im Wasser aufrecht und blickte rundum mich um die Orientierung wieder zu erlangen und um genau zu wissen, in welche Richtung ich weiter zu schwimmen hatte. Mein Blick ging auch zurück dorthin, wo sich dieses unbekannte Phänomen ereignet hatte. Ich spähte über die Wasseroberfläche. Vor mir zeigte die sonst nahezu wellenlose, grössere flache Wasserfläche eine ausgesprochen starke Wölbung, die sich von einem zentralen Punkt seitwärts ausdehnte und dann flacher wurde. Obenauf schwimmende Luftbläschen und auch dickere Luftblasen, die prickelnd wie Sprudel in einem Glas aufplatzten, liessen erkennen, wie schnell das Wasser dort strömte. Grausen überfiel mich, weil meine Fantasie mit mir durchging. Welche ungeahnte Kraft fesselte mich da unter Wasser? Sie musste bei dieser Wellenbewegung aussergewöhnlich gross und stark sein. Sie strömte ebenfalls prickelnd an meinem nackten Körper vorbei.Ich wusste, es konnte kein Unterseeboot sein. Das war mir klar. War es etwa doch ein Seeungeheuer, ein riesiger Fisch oder ein tauchender Schwimmer? Angst trieb mich an, schnellstens aus dieser ungemütlichen Zone heraus zu schwimmen.

Ich kann nur noch niederschreiben, dass ich daraufhin das ersehnte Ufer unerwartet schnell erreichte. Die Meute wartete bereits ungeduldig auf mich. Sie feuerten mich an, etwas schneller zu schwimmen. Niemand schien dieses Ereignis bemerkt zu haben. Alle klatschten kräftig in die Hände und reichten mir die Hand, als ich aus dem Wasser stieg, um über das steinige Ufer zu staksen. Nass, wie ich war, schlüpfte ich sofort in meine Kleider. Ich ging sofort zu unserem österreichischen „Pfadfinder“ und erklärte ihm, was mir da mitten im See passiert war.

„Junge, du schwimmst aber ziemlich langsam“, sagte er zuerst. „Du hast uns schön warten lassen. Fairerweise aber kann ich dir nur gratulieren, denn es gibt nicht viele Schwimmer die eine so weite Strecke, von nahezu einem Kilometer, geschafft hätten. Die Meisten, die es versuchen, müssen unterwegs erschöpft ins Begleitboot genommen werden.“

Das war Lob, verbunden mit einer schmerzhaften Rüge. Ich entschuldigte mich und begann dann der auf mich starrenden Meute zu erzählen, was mir passiert war.

Unser einheimischer Begleiter, der aufmerksam zugehört hatte, trat in den Kreis, der sich um mich gebildet hatte und meinte aufklärend: „ Mein lieber Freund, da hattest du wirklich unheimliches Glück, denn von diesen eiskalten Stellen im See gibt es deren 2. Da ergiessen sich eisige Quellen mit gewaltigen Wassermassen, die auf dem Seeboden aus Klüften im Berg ausbrechen. Deren Kraft ist nicht ständig und gleichmässig vorhanden, doch nach einigen stark gewittrigen Tagen, mit viel Regen, kann sie so gewaltig werden, dass sich da wo der Quell nach oben strömt, ein regelrechter Wasserhügel über die normale Wasserfläche erhebt, wie du beschrieben hast. Und Regen hatten wir über die letzten Wochen genug gehabt. Boote, die darüber hinweggleiten, driften seitlich weg. Dein grösstes Glück aber bestand darin, dass du nicht komplett erstarrt bliebst. Du konntest gleich wieder deine Gliedmassen bewegen, denn wenn diese Rückkehr zur Bewegungsmöglichkeit nicht stattgefunden hätte, wärest du arg in Bedrängnis geraten. Du wärest abgetaucht und wir hätten dich retten müssen.So eine plötzliche Unterkühlung kann sogar auch den kräftigsten Körper komplett lahmlegen. Jetzt ist sicher auch jedem von euch klar, warum immer ein Begleitboot bei den Schwimmern sein sollte, damit man bei so unvorhersehbaren Zwischenfällen immer eine sichere Hilfe um sich hat. Wenn man bedenkt, dass bei einer Wassertiefe von vielleicht 30 Metern, diese Kraft der Quellen sich bis an die Oberfläche des Sees überträgt, dann kann man sich auch leicht vorstellen, welche ungeheuren Wassermengen diese Quellen ausstossen. Dummerweise hatte ich es unterlassen euch bereits bei unserer Ankunft am See zu zeigen und zu erklären, dass der kleine Bach den wir beim Bootssteg gesehen haben, als einziger sichtbarer Zulauf, keinesfalls den Wassermassen des Auslaufs entspricht. Ein Phänomen, das den Bergbewohnern wohl bekannt ist, das aber lange nicht von jedermann verstanden wurde. Das allein deutet schon darauf hin, dass von anderswo und unsichtbar, bedeutende Wassermenge in den See strömen müssen. Wenn du das alles gewusst hättest, dann wäre dir schnell klar worden, welchen Naturkräften du da ausgesetzt warst.“

Alle Kollegen starrten hinaus auf den See, grasten mit ihren Augen die Wasseroberfläche ab, um zu schauen, wo sich diese Hügel im Wasser befanden. Vom Ufer aus aber war dieses Phänomen nicht ausfindig zu machen. Keinem von den anderen Schwimmern war Ähnliches passiert. Sie hatten wahrscheinlich eine Schwimmrichtung näher am Ufer eingeschlagen, während ich dagegen den geraden, den kürzesten Weg vorgezogen hatte. Alle klatschten alsdann in die Hände und mir zur Freude drehten sie dreinmal die Kaffeemühle, wobei sieausriefen, bravo, bravo, bravo, so als ob ich eine aussergewöhnliche Leistung vollbracht hätte.

Um uns seine Erklärungen vor Augen zu führen, lud der einheimische Pfadfinder uns ein mit ihm auf die Hangseite des Berges zu gehen, wo sich der Auslauf des Sees befand. Dort angekommen staunten wir nicht wenig, denn schon bevor wir das Wasser sehen konnten vernahmen wir bereits das Rauschen und Tosen des bis 2 Meter breiten Wildbaches, der als Wasserfall direkt am Seeufer begann. Nun erst bekamen wir eine Idee, welche Wassermassen da in der Tiefe des Nussensee aus dem Innern der Erde nach oben schossen, oder besser gesagt gepresst wurden. Der Druck der Wassersäule im Innern des Berges musste enorm sein. Von einer Strömung in Richtung eines Abflusses hatte ebenfalls keiner von uns Schwimmern etwas verspürt. Der einheimische Wegbegleiter meinte, als wir dort angekommen waren. „Das ist wirklich erstaunlich, so einen starken Wasserfall habe ich hier noch nie gesehen.“

Dieses Erlebnis war praktische Naturkunde, Geografie oder Geologie, ganz gleich, wie man es nennen will und ich bin mir sicher, dass niemand unserer Gruppe später in seinem Leben je wieder eine Quelle mit Grundwasser verwechselte. Viele Unwissende behaupten nämlich, wenn sie beim Graben auf fliessendes Wasser stossen, sie hätten eine Quelle freigelegt.

Wir waren alle eine Erfahrung reicher geworden und empfanden mit Freude das grosse Glück, weil dieser schöne Ausflug so glimpflich, zufriedenstellend und dazu noch lehrreich verlaufen ist. Ich insbesondere. Es war ein Tag der Gemeinsamkeit, des kameradschaftlichen Geistes, den ich immer wieder bei meinen Aktivitäten mit Pfadfindern bewunderte. Er prägte sich ins Innere meines Erinnerungsvermögens und diente mir später im Leben, um meinen Kindern beim Gebirgswandern als Lebenserfahrung und als Verhaltenslehre zu übermitteln.